Literatur rund um die Welt

Rezension Du meine Pappel im roten Kopftuch von Tschingis Aitmatov

Kirgisien in den Nachkriegsjahren – wo sich Traditionen und Sozialismus vermischen. Mittendrin ein wütender, stolzer Kirgise, der sein Lebensglück selbst verspielt.

Inhalt

Iljas, ein junger, sympathischer Lastwagenfahrer mit überschäumender Energie, ist schnell zu begeistern und ebenso schnell in maßlose Wut zu versetzen. Asselj, ein stilles, kirgisisches Mädchen, lebt in einem Dorf und soll nach altem Brauch in eine Nachbarssippe hineinverheiratet werden. Als die beiden sich begegnen, entsteht eine Liebe, die sie alle Traditionen und Bräuche vergessen lässt. Für beide beginnt eine glückliche Zeit, die in der Geburt eines Sohnes den Höhepunkt findet.
Doch als Iljas tollkühn mit seinem Lastwagen das verschneite Tianshan-Gebirge bezwingen will, beginnt die Katastrophe: Nach dem Misserfolg mag er sich vor seinen Kollegen nicht verantworten, die liebevolle Hilfe Asseljs, selbst den Rat eines Freundes weist er zurück. Immer mehr verstrickt sich Iljas in den Fängen seines Stolzes. So verspielt er sein Lebensglück und scheitert an seiner Unfähigkeit, auf andere zuzugehen und von ihnen Hilfe anzunehmen.

Eindruck

„Du meine Pappel im roten Kopftuch“ ist eine leicht schwermütige Liebesgeschichte, die mich direkt in ihren Bann gezogen hat. Traurig und etwas düster ist die Atmossphäre in diesem Kirgisien, das von alten Traditionen und Armut beherrscht wird.  Die alten Sitten und die Lebensart der Kirgisen vermischen sich mit den sozialistischen Gegebenheiten, die sich nach dem Krieg verbreiten. Auf jeden Fall eine mir unbekannte und spannende Kulisse für die Geschichte des jungen Iljas.

Iljas ist ein sauber ausgearbeiteteter Charakter, der in seinem Stolz sein Leben gehörig an die Wand fährt. Mit seinem waghalsigen Unternehmergeist und dieser niemals endenden Wut ist er kein einfacher Zeitgenosse. Dieser Charakter hat mir sehr, sehr gut gefallen. Er ist einfach mal erfrischend anders und ich habe richtig mit ihm mitgefiebert und gehofft, dass er seine Wut auf das Leben doch noch in den Griff kriegt.

Ich habe das Buch auf Empfehlung gekauft und wieder einmal hat mich der Unionsverlag mit einem grossartigen Einblick in eine andere Kultur belohnt.

Dieses Buch von Aitmatow war sicher nicht mein Letztes – obwohl ich Liebesgeschichten sonst gar nicht mag, hatte dieses Buch  eine grossartige Atmossphäre und ich hoffe, in anderen Bücher mehr davon zu finden.

Weitere Infos

Du meine Pappel im roten Kopftuch erschien 1961 in russisch, 2003 dann in deutsch im Unionsverlag .

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2 Comments

  • Reply
    frauhemingway
    Februar 17, 2018 at 10:44

    Hast du zufällig auch Djamila von ihm gelesen? Das hat mich während meiner Abiturzeit sehr beeindruckt. 🙂

    • Reply
      Tabea
      Februar 17, 2018 at 17:29

      Noch nicht, das steht aber definitiv noch auf der Leseliste. Denn Aitmatov hat mich mich seiner Charakterausarbeitung mehr als überzeugt. Grüsse, Tabea

    Kommentare willkommen

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