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Rezension Beim Leben meiner Schwester von Jodi Picoult

Drama um ein Retortenkind, das für die leukämiekranke Schwester erschaffen wurde

Die Familie Fitzgerald hat 3 Kinder. Die mittlere Tochter, Kate, ist an Leukämie erkrankt und das dritte Kind, Anna, wurde extra für Kate geschaffen. Sie ist ein Retortenbaby, das ihre kranke Schwester Kate retten soll. Als Anna 13 wird, hat Kate ein akutes Nierenversagen und erneut soll Anna für das Leben ihrer Schwester etwas opfern. Doch diesmal weigert sie sich. Anna klagt ihre Eltern ein, weil sie sie noch nie um ihre Erlaubnis gefragt haben für all die medizinischen Eingriffe, die es bisher bereits gab. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Wie hoch ist der Wert eines Menschen?

Der polarisierende Plot liefert Stoff für Unmengen an Diskussionen. Es war eine echte Gefühlsachterbahn, dieses Buch zu lesen. Einerseits ist da Kate, todkrank, und die Angehörigen verspüren viel Verzweiflung und Mitleid. Anna, die Kates Erkrankung bisher immer hinauszögern konnte, ist die Rettung der Familie. Sie erduldet viel und verweigert schliesslich die Hilfe für Ihre Schwester. Dies führt zu grossen Spannungen innerhalb der Familie. Und dann ist da noch der vernachlässigte Teenager Jesse, der einfach sein eigenes Leben neben dem Drama führt und komplett ausser Acht gelassen wird. Aus dieser Vernachlässigung enstehen ganze nandere Probleme.

Die Story ruft richtiggehend ambivalente Gefühle hervor – das gefiel mir total!

Dieses Mädchen verliert entweder seine Schwester, denke ich, oder es verliert sich selbst. S. 134

Die berührende Geschichte ist aus den verschiedenen Perspektiven von Anna, Kate, Mutter, Vater, Anwalt geschildert, was dem Buch eine gewisse Vielschichtigkeit verleiht. Das hat mir sehr gut gefallen, denn ich mag es, verschiedene Stimmen und Perspektiven zu erleben. Die Charaktere sind alle sehr verschieden und so beschrieben, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Der Schreibstil von Picoult ist angenehm leicht und lässt sich super lesen. Spannung ist ebenfalls mächtig mit von der Partie.

Wegen dem fesselnden Plot, dem mitreißenden Schreibstil und den starken Charakteren kann ich das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. Einzig die begleitende Liebesgeschichte fand ich ein bisschen fehl am Platz, aber das tut meiner Begeisterung für die Hauptgeschichte keinen Abbruch. Ihr solltet allerdings Taschentücher bereit halten, denn an manchen Stellen ist die Geschichte schon sehr ergreifend 😉

Lustigerweise wusste ich vor dem Lesen des Buches nicht, dass es eine Verfilmung von dem Buch gibt. Aber da ich nur allerseltenst mal einen Film ansehe, ist das nicht weiter verwunderlich. Vielleicht werde ich mir eines Tages noch den Film zum Buch ansehen – da bin ich schon ein bisschen neugierig, wie das Ganze umgesetzt wurde. Vor allem das Ende soll ja im Film komplett anders sein. Das Ende des Buches hat offenbar ziemlich kontroverse Meinungen ausgelöst. Ich bin mit dem Ende im Buch ganz zufrieden, auch wenn es sehr überraschend ist. Aber so ist das mit Geschichten. Und auch mit dem Leben. Es gibt sie, die plötzlichen unerwarteten Wendungen.

Weitere Infos

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“Beim Leben meiner Schwester” von Jodi Picoult ist 2006 im Piper Verlag erschienen.

 

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