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Schweizer Literatur

    Literatur rund um die Welt

    Rezension Elefant von Martin Suter

    Ein fantastisches Wesen mitten in Zürich

    Hauptdarsteller im neuen Buch von Martin Suter ist ein winziger rosa leuchtender Elefant. Dieses zauberhafte, grazile Wesen steht eines Tages in der Höhle des Obdachlosen Schoch. Dieser glaubt zunächst, dass er eine Halluzination hat, aber das Wesen erweist sich als real. Woher es kommt und wie es entstanden ist, weiss sein Schöpfer, der Genforscher Roux. Da der kleine Elefant garantiert eine Sensation wird, muss er den kleinen Elefanten so bald wie möglich zurückholen. Und dann ist da noch der burmesische Elefantenpfleger Kaung, der in dem Wesen eine wiedergeborene Gottheit sieht und es vor seinem Schöpfer verstecken will.

    Farbloser Eindruck

    Im Vorfeld hatte ich bei anderen Bloggern schon ein paar Schwärmereien mitgekriegt und normalerweise mag ich Suters Bücher, darum habe ich mir dieses Buch ausgeliehen. Aber leider hat es meine Erwartungen nicht erfüllt. Ja, es war ganz unterhaltsam, aber im Gesamten blieb es mir in etwas blasser Erinnerung und konnte mich nicht wirklich überzeugen. Es ist einfach insgesamt so kurz und knapp gehalten und wirkt auf mich ein bisschen farblos. Ich bin anderes gewohnt von Suter.

    Aber zunächst möchte ich einmal die positiven Punkte erwähnen: Die Handlung liest sich sehr flüssig und bietet einen Mix aus Wissenschaftskrimi und Liebesgeschichte. Die Thematik rund um die Gentechnologie finde ich einen sehr interessanten Ansatz. Die Charaktere waren erfrischend ungewöhnlich. Wir lernen den Obdachlosen Schoch und die Obdachlosenszene ein bisschen näher kennen. Ebenfalls ganz unterhaltsam fand ich die Zirkusperspektive und die kleinen Anekdoten aus dem Alltag. Und natürlich fand ich den Elefantenpfleger Kaung sehr sympatisch. Der Plot und die Charaktere haben mir gut gefallen. Ein Zitat möchte ich ganz besonders hervorheben, da ich es sehr ergreifend fand:

    „Warum hast du das getan?“
    Sie brauchte sich die Antwort nicht zu überlegen. „Aus Ehrfurcht.“
    „Vor den Tieren?“
    „Vor dem Leben.“
    – Elefant, Martin Suter

    Nun zu meinem Kritikpunkten: Ich hätte mir etwas tiefer gehende wissenschaftliche Erläuterungen gewünscht. Es gibt schon einige Erklärungen im Buch, aber ich mag es etwas detaillierter – gerade bei solch wissenschaftlichen Themen. Die Handlung war an manchen Stellen etwas vorhersehbar und teilweise wurden auch ein paar Klischees bedient. Was mich aber grundsätzlich nicht stört. Klischees gibts es ja nicht grundlos und es ist OK, wenn man sie auch mal benutzt. Die Charaktere kamen mir nicht wirklich nahe – sie wirken auf mich etwas unnahbar. Und das Ende war leider etwas gar schnell abgekanzelt. Das fand ich sehr schade, gerade beim Ende hätte es noch ein paar Seiten mehr vertragen, finde ich.

    Wie man sieht, kann ich mich der Begeisterung vieler Blogger leider nicht anschliessen. Nichts desto trotz ist mir das Buch als leichte, unterhaltsame Lektüre in Erinnerung geblieben. Aber es ist für mich kein Buch, das irgendwelche tiefere Gedankengänge oder Gefühle ausgelöst hat. Es war einfach eine gute und kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch. Die Geschichte bleibt mir vermutlich aufgrund fehlender Tiefe nicht allzu lange in lebendiger Erinnerung. Andere Bücher von Suter haben mir deutlich besser gefallen und mich auch zum Nachdenken gebracht, „Elefant“ hingegen war einfach eine unterhaltsame Geschichte.

    Weitere Infos

    Deutschsprachige Rezensionen von anderen Buchbloggern findet ihr hier:

    Livricieux

    Readpack

    Trallafittibooks

    “Elefant” von Martin Suter ist im Januar 2017 im Diogenes Verlag erschienen.

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