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mittelalter

    Historische Romane

    Rezension Der Medicus von Noah Gordon

    Inhalt

    England, 11. Jahrhundert. Der verwaiste Rob Jeremy Cole wird von einem Bader als Lehrling aufgenommen. Dieser Lebenskünstler bring Rob das Wissen des Baders bei. Doch bald wird Rob Zeuge einer besseren Heilkunst und setzt von nun an alles daran, Schüler einer Medicus-Akademie im fernen Osten zu werden. Er nimmt die abenteuerliche Reise über tausende Kilometer auf sich, um diese Ausbildung zu beginnen. Doch es gelten bestimmte Aufnahmekriterien, die Rob als christlicher Engländer nicht erfüllt.

    Eindruck

    Der federleichte, flüssige Schreibstil machte es mir leicht, diesen Roman zügig zu lesen. Das Buch ist zu Recht so berühmt und ich habe es sehr genossen. Obwohl nicht alles historisch korrekt dargestellt ist, hat man einen Einblick in die Vorurteile und abergläublischen Gepflogenheiten in der mittelalterlichen Gesellschaft. Natürlich war auch das medizinische Wissen damals eher beschränkt. Schlimmer noch: die katholische Kirche hat viel Forscherdrang und auch vorhandenes Heilwissen bereits im Keim erstickt. Als Gotteslästerung oder Hexenwerk abgetan, waren innovative Heiler und Heilerinnen jederzeit der Willkür der Kirche ausgesetzt. Schrecklich! Und so kommt es auch, dass alle drei grossen Religionen im Okzident und Orient den Medizinern von damals das Leben echt schwer gemacht haben. Sie durften beispielsweise keine Menschen sezieren, was natürlich grundlegendes Wissen über die innere Beschaffenheit und Funkionen der Organe verunmöglichte.

    Der Leser wird Zeuge eines gewaltigen Abenteuer und erlebt das frühmittelalterliche Europa und einer langen Reise nach Isfahan (heutiges Iran). Die jahrelange, beschwerliche Reise und die kulturellen Bräuche der verschiedenen Ethnien, die Rob unterwegs trifft, haben mich fasziniert. Ich liebe es, über andere Welten zu lesen und dieser Roman lag wirklich zu Unrecht so lange auf meinem SuB. Ich hatte ihn tatsächlich seit den späten 90ern auf dem Leseradar, aber erst später gelangte der Roman via einer meiner Buchkreise in meine Hände. Er ist auch zu Recht Teil der Bücherkulturchallenge von Lovelymix. Ein wunderschönes Epos und natürlich reizen mich nun auch die Nachfolger des Romans.

    Kulinarisches und historische Abweichungen

    Was ich ganz besonders hervorheben will, sind die Rezepte, die Noah beschreibt. Der Bader findet in der Wildnis immer wieder Kräuter, Wurzeln und der Autor versteht es, die Zubereitung zu beschreiben, dass man das Essen förmlich vor sich sieht und riecht. Eine erstaunliche Fähigkeit und obwohl Kochen nicht gerade meine Leidenschaft ist, hat es mir grosse Freude gemacht, das zu lesen! Grossartig.

    Wie bereits erwähnt, ist das Buch nicht als historisch korrekte Wiedergabe der damaligen Zeit zu betrachten – einiges ist historisch unkorrekt. Aber dies ist der erzählerischen Freiheit des Autors zuzuschreiben und tut dem Werk insgesamt keinen Abbruch. Auf jeden Fall auch über 30 Jahre nach Erscheinen des Buches noch lesenswert und zu Recht ein Weltbestseller!

    Der Medicus ist 1987 das erste Mal erschienen. Mein Exemplar ist 2011 im Heyne Verlag erschienen.

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