Literatur rund um die Welt

Rezension Die Terranauten von T.C. Boyle

Inhalt

Acht Menschen werden in den 90er-Jahren zu Forschungszwecken in einem geschlossenen Umweltsystem eingeschlossen. Vier Männer, vier Frauen – allesamt Wissenschaftler und vorab jahrelang auf psychischer und phyischer Ebene auf Eignung getestet. Zwei Jahre lang darf nichts rein, und nichts darf raus. Egal was passiert. Das Experiment wird von unzähligen Medien und Touristen besucht und begleitet. Die Terranauten sind ständiger Beobachtung ausgesetzt.

„Die Terranauten“ von T.C. Boyle basiert auf einem wahren Ereignis – damals hiess das riesige Projekt Biosphere 2. Allerdings ist nur das Rahmenkonstrukt der Wahrheit entnommen, denn die Charaktere und die Ereignisse innerhalb des Terrariums sind frei erfunden. Das Buch ist unterteilt in vier Kapitel: vor dem Einschluss, Jahr 1, Jahr 2 und nach dem Austritt. Die Gruppendynamik und die Nahrungsknappheit sind der Hauptauslöser für eine Reihe von Konflikten bei solchen Experimenten und kommen auch in diesem Buch nicht zu knapp.

Eindruck

Natürlich habe ich schon viel von Boyle gehört und es liegen hier noch zwei seiner grossen Werke auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Die Terranauten war nun mein erstes Buch von Boyle. Und ich muss sagen, es gefiel mir nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Der Plot an sich hat total viel Potential, aber leider konnte das ganze in meinen Augen überhaupt nicht spannend umgesetzt werden.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: Ramsay (Terranaut), Dawn (Terranautin) und Linda (abgelehnte Anwärterin auf einen Terranauten-Platz). Während Ramsay und Dawn im Projekt sind, ist Linda als nicht ausgewählte draussen geblieben, beobachtet die Entwicklungen im Terrarium und ist zunehmend frustriert über ihre eigene Ablehnung und die zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikte innerhalb von E2. Von Ramsay und Dawn erfährt man viel über den Ablauf der Nahungs- und Sauserstoffbeschaffung und über die Gruppendynamik innerhalb des riesigen Terrariums.

Der Schreibstil von Boyle ist frech und ziemlich sarkastisch. Zuerst dachte ich, das sei einfach eine charakterliche Eigenschaft der ersten erzählenden Person. Aber leider hat sich dieser Stil bei sämtlichen Schilderungen aller Charaktere gezeigt. Das fand ich sehr, sehr schade. Ich mag dieses freche, sarkastische eigentlich. Aber wenn alle drei Erzähler gleich flapsig daherreden, macht es einfach keinen Spass und nervt eher.

Die drei Charaktere kamen mir leider zu keinem Zeitpunkt irgendwie nahe. Von den anderen Mitbewohnern ganz zu schweigen. Sie blieben  total blass im Hintergrund und eigentlich hätten sie zumindest teilweise auch nicht vorhanden sein können. Schade! Ich weiss nicht, woran es liegt, aber mich haben eigentlich alle drei zeitweise ziemlich genervt. Es kam mir zeitweise auch etwas teenagermässig vor, wie die Terranauten so ihre zwischenmenschlichen Probleme lösen. Ingesamt haben die Charaktere alle drei einen total unreifen Eindruck bei mir hinterlassen.

Mir hat das Buch nicht gefallen. Vielleicht habe ich auch zuviel erwartet. Immerhin wurde auf dem Klappentext angekündigt, dass es eine Schwangerschaft geben würde. Dieses Ereignis habe ich im Buch dann auch im Anfangsteil erwartet. Doch diese Schwangerschaft kam und kam nicht. Ich fand das Buch unter anderem mangels Ereignissen sehr langweilig. Ich denke, da hätte man mehr draus machen können.

Weil das mein erster Boyle war und man nicht von einem Buch auf alle schliessen sollte, probiere ich es trotzdem noch mit einem seiner grossen Werke – vielleicht liegen mir die anderen Bücher einfach mehr. Oder ich bin einfach kein Boyle-Leser – mal sehen. Ich bin jedenfalls gespannt, was da noch kommt. Seine beiden Bücher Wassermusik und The Tortilla Curtain stehen ja schon im Regal.

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Leseschatz

 

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2 Comments

  • Reply
    Experiment unter der Glaskuppel: Die Terranauten von T.C. Boyle
    März 5, 2017 at 08:50

    […] Rezensionen auf anderen Blogs Readpack Buchbunt Paper and poetry […]

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