Literatur rund um die Welt

Rezension Die russische Mauer von Alissa Ganijewa

Die russische Mauer

Inhalt

Dagestan, im Süden Russlands am kaspischen Meer, liegt zwischen dem Kaukasus, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Entsprechend geprägt ist das Land von verschiedenen Ethnien, kulturellen Einflüssen und dem immerwährenden Kampf gegen den Terrorismus. Schamil, der seine Arbeit als Verwaltungsangestellter verloren hat, versucht sich als Lokalreporter. Er lebt das Leben vieler junger Männer und Sport, Discos, Autos und Frauen sind sein Lebensinhalt. Das Land ist traditionell islamisch, die Menschen leben jedoch einen aufgeklärten Islam innerhalb ihrer sowjetischen und kulturellen Geschichte. Die ständigen Konflikte zwischen Russlands Polizei und ihrer Willkür treiben viele junge Menschen in die Arme der radikalen Islamisten. Die Verlobte von Schamil schliesst sich ebenfalls überraschend den Salafisten an. Als das Gerücht aufkommt, das Russland das Land mit einem Wall abtrennen will, kommen grosse Veränderungen über das Land. Diverse Ethnien beanspruchen die Führung für sich, darunter auch die Salafisten, die ihr Kalifat ausrufen….

Meine Meinung

Ganijewa beschreibt einerseits ein romantisches Bild des alten Dagestans mit seinen Handwerken und anderseits die kulturellen und reliösen  Auseinandersetzungen die innerhalb der Familien auftreten und trennenden Charakter haben. Das Buch ist interessant zu lesen und doch sind es zuviele Charaktere, zuviele Fremdwörter, zuviele eingeschobene Szenen, die für mich keinen Sinn ergaben. Ich hatte zeitweise aufgrund fehlendem Bezug/Spannung Mühe, weiterzulesen. Zwischendurch gibt es aber schön ausgemalte Szenen und Geschichten, die einen fesseln. Aber insgesamt wirken der Plot und die Charaktere nicht ganz ausgereift. Und ein Glossar der Fremdwörter fehlte mir ebenfalls. Denn es waren zu viele Fremdwörter, die ich mir dann aufgrund der Anzahl zumeist nicht merken konnte. Ich hätte mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, etwas konkretere Beschreibungen der kulturellen Konflikte und deren Herkunft. Wie immer habe ich neben dem Buch etwas im Internet über Dagestan gelesen und erfahren. Das ist auch der Hauptantrieb, warum ich solche Bücher überhaupt lese. Ich will etwas über andere menschliche Kulturen erfahren. Diesen Zweck hat das Buch erfüllt.

Die russische Mauer von Alissa Ganijewa ist 2014 im Suhrkamp Verlag erschienen.

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2 Comments

  • Reply
    Ina Degenaar
    August 26, 2016 at 10:50

    Hallo Tabea,
    ich habe nach dem Lesen deiner Rezension mal auf der Seite des Internet-Versandhändlers mit dem großen A einen Blick in das Buch geworfen. Der Stil ist für mich „typisch russisch“: Es wird gern getrunken, der Verlauf macht ein paar Schleifen und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Handlung auf der Stelle tritt. Interessant finde ich allerdings, dass eine russische Autorin über eine Provokation Russlands schreibt. Wie ich eben hier http://www.taz.de/!5015676/ gelesen habe, ist sie in Dagestan aufgewachsen. Jetzt lebt sie in Moskau, aber überlegt sich offenbar sehr genau, mit wem sie worüber spricht.
    Viele Grüße
    Ina

    • Reply
      Tabea
      August 26, 2016 at 11:28

      Hallo Ina
      Danke für den Link des Interviews, ich habe das gerade mit Interesse gelesen. Mit ihrem Roman hat sie einen aktuellen Konfliktherd in Russland aufgezeigt und ich fand es sehr interessant zu lesen. Die politische Entwicklung in Russland und in Europa nach ihrem Debütroman macht ihr Buch gerade etwas brisanter und aktueller, finde ich.
      Obwohl ich mit dem Stil noch etwas Mühe hatte. Aber wie du schreibst, scheint das aber ganz russisch zu sein. Interessant!
      Einen schönen Tag noch, Tabea

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