Literatur rund um die Welt

Rezension Die langen Tage von Castellamare von Catherine Banner

Inhalt

Amedeo, als Waisenkind in Florenz aufgewachsen, kommt als Arzt auf die kleine süditalienische Insel vor der Küste Siziliens. Eine Insel, die ursprünglicher nicht sein könnte – fast wie aus der Zeit gefallen. Die Einwohner der Insel hegen am Anfang Misstrauen ihm gegenüber und Amedeo gibt ihnen auch noch eine Bestätigung für ihr Misstrauen: In derselben Nacht werden „Zwillinge“ von verschiedenen Müttern auf der Insel geboren. Denn beide Jungen sind die Kinder des Arztes Amedeo. Dieser Skandal kostet ihn die Stelle und auch das Vertrauen der Inselbewohner.
Er übernimmt dank seiner Frau die einzige Bar der Insel und gewinnt die Gunst der Einwohner durch seine Hartnäckigkeit, die Bar und seine Familie, das Haus am Rande der Nacht, durch Krisen und Kriege zu führen. Seine Leidenschaft, Geschichten von den Einwohnern und Castellamare zu sammeln und niederzuschreiben, führt er in seiner ganzen Lebenszeit weiter und dadurch entsteht eine schöne Sammlung alter italienische Sagen.

Eindruck

Man begleitet im Buch die Familie Esposito auf der süditalienischen Insel Castellamare über vier Generationen hinweg. Genau solche Bücher liebe ich über alles! Man erlebt mit, was Krisen und Kriege, familiäre und weltgeschichtliche Probleme mit dem Haus am Rande der Nacht anrichten und wie die Charaktere die Geschichte des Hauses beeinflussen. Dennoch ist das Buch eine relativ ruhige Familiengeschichte, es gibt keine spektakulären Wendungen, sondern es ist einfach eine Erzählung über das Leben, die Sorgen und Nöte der Bewohner einer ruhigen Mittelmeerinsel. Einfach grossartig!

Die Charaktere wirken autenthisch und sind gut ausgearbeitet. Die Atmosphäre auf der Insel mit den tiefgläubigen und abergläubischen Süditalienern ist detailliert dargestellt und gibt der Geschichte das gewisse Etwas. Dieser Kult um die Inselheilige St. Agata ist so typisch italienisch! Der Schreibstil ist flüssig und stimmungsvoll. Insgeheim hätte ich gerne noch weiter in die Zukunft gelesen. Aber ein Buch muss ja auch mal zu Ende sein.

Was mir ganz besonders gefallen hat, sind die zwischendurch eingestreuten süditalienischen Sagen. Zu Beginn eines jeden zeitlichen Abschnitts gibt es eine. Insgesamt sind es etwa 5 solcher Volksmärchen, die so über das Buch verteilt sind.

Ich kann das Buch wirklich empfehlen, ich habe es sehr gerne gelesen! Insgesamt eine unaufgeregte, sehr gemütliche und stimmungsvolle Lektüre!

Übrigens habe ich wie zu den meisten Büchern, die ich so lese, gegoogelt und dabei festgestellt, dass es die Insel Castellamare so nicht gibt. Sie ist also eine Erfindung und ich denke, das passt ganz gut zu der Geschichte.

Weitere Infos

Die langen Tage von Castellamare von Catherine Banner ist 2016 im Ullstein Verlag erschienen.

Rezensionen von anderen Buchbloggern findest Du hier:

Seitengeflüster

Papier und Tintenwelten

Codes Libris Blog

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    Auroria
    Dezember 3, 2016 at 18:09

    Ich habe dieses Buch auch gelesen. Und ich finde, die Autorin hat den italienischen Lebensstil wirklich gut eingefangen. Das es Castellamare nicht gibt, hat mich irgendwie etwas enttäuscht. Welch toller Urlaubsort wäre das gewesen. Das Buch habe ich jedenfalls sehr gern gelesen und kann es ebenfalls nur empfehlen.

    • Reply
      Tabea
      Dezember 4, 2016 at 15:49

      Ja, dieser italienische Lebesstil inklusive dem kompletten Ergeben in Religiosität konnte die Autorin schon gut vermitteln. Insgesamt eine wirklich schöne Familiengeschichte.
      Einen schönen Sonntag noch, Tabea

    Leave a Reply